Musikalische Lesungen

 

 

Für Erwachsene bietet Manfred Mai Lesungen an, bei denen er von dem Musiker Martin Lenz begleitet wird. Die Zuhörer/innen erwarten Geschichten und deutschsprachige Lieder, die mal ernst, mal heiter sind, zum Schmunzeln und Nachdenken einladen.

Außerdem bieten Manfred Mai und Martin Lenz nun auch musikalische Lesungen für Kinder an. Es handelt sich dabei nicht um ein starres Programm, das einfach abgespult wird. Nein, die beiden sind flexibel. Sie werden abwechselnd lesen, musizieren und singen und dabei die Kinder mit einbeziehen. Auf der literarisch-musikalischen Reise gibt es lustige und ernste, heitere und nachdenkliche Stationen.

Hier ein paar Beispiele zum Hören und Lesen:

Aufgewacht (Ausschnitt)

                   


Ein wichtiger Tag 

"Guten Morgen, mein Schatz."
Marie blinzelt, reibt sich die Augen und gähnt.
Mama lächelt.
Marie guckt sie an. Langsam kommt sie vom Traumland in die Wirklichkeit. In ihrem Kopf beginnt es zu arbeiten und plötzlich weiten sich Maries Augen. "Heute ... heute ist doch ..."
"Dein erster Schultag."
Marie fährt hoch. "Wie spät ist es?"
"Zeit genug", sagt Mama. "Keine Angst."
Trotzdem wirft Marie jetzt die Bettdecke zurück und steht schnell auf. Sie geht an Mama vorbei und erst mal aufs Klo. Als Marie in die Küche kommt, erwartet Papa sie schon mit offenen Armen, nimmt sie hoch und dreht sich mit ihr im Kreis. "Heute ist ein wichtiger Tag, mein Mäuschen. Ab heute gehörst du nicht mehr zu den Kleinen, jetzt bist du mein großes Mädchen!"
"Lass mich runter!", sagt Marie, weil ihr vom Drehen schwindlig wird.
Papa stellt sie auf den Boden und gibt ihr einen Kuss. "Ich freu mich so", sagt er.
Mama schmunzelt. "Papa ist so aufgeregt, als wäre heute sein erster Schultag."
Marie guckt ihren Papa an und versucht ihn sich als Jungen mit Ranzen und Schultüte vorzustellen. Aber auf den Bildern in ihrem Kopf ist immer ein kleiner Papa mit Bart, Brille und Stirnglatze zu sehen ...
Beim Anziehen hilft ihr Papa. Zum Schluss kämmt Mama Marie noch und bindet ihr eine rote Schleife ins Haar, die gut zu ihrem Kleid passt.
"Schön siehst du aus", sagt Papa, "wie ein Prinzessin." Er verbeugt sich vor Marie und fragt: "Soll ich deinen Schulranzen tragen, kleine Prinzessin?"
"Nein, den trage ich selbst", antwortet Marie. "Und die Schultüte auch."


Lied zu "Ein wichtiger Tag": ABC

 

Ich heiße Paul!

 Anne-Sophie macht Schulaufgaben am Küchentisch. Paul setzt sich ihr gegenüber und sagt: "Ich will auch Schulaufgaben machen!"
Seine Schwester zeigt ihm einen Vogel. "Du gehst ja noch gar nicht in die Schule."
"Ich will aber trotzdem Schulaufgaben machen, genau wie du!"
Er greift nach Anne-Sophies Mäppchen.
"He, Pfoten weg!"
"Du bist blöd!"

"Mama!
Der lässt mich nicht lernen!", ruft Anne-Sophie.
Mama kommt herein. "Was ist denn schon wieder los?"
"Der nervt mich!"
"Weil du mich keine Aufgaben machen lässt", hält Paul dagegen.
"Lass deine Schwester in Ruhe lernen ..."
"Aber ich ..."
"Wir beide fahren jetzt in den Supermarkt", unterbricht Mama ihren Sohn. "Ich muss noch ein paar Sachen einkaufen."
"Ich will nicht einkaufen!", ruft Paul und läuft aus dem Zimmer ... 

Lied zu "Ich heiße Paul!": Zum Glück

 

Ziemlich durcheinander

 Alexander kennt sich nicht mehr aus. Irgend etwas ist passiert mit ihm, und er ist ziemlich durcheinander. Schon zweimal hat er morgens nicht auf seinen Freund Jonas gewartet und ist einen neuen Weg zur Schule gegangen. Im Unterricht hört er öfter nicht, was die Lehrerin sagt, weil er mit den Gedanken ganz wo anders ist - bei Emilia.
Bisher fand Alexander Mädchen doof. Und die meisten findet er immer noch doof. Aber Emilia nicht. Die findet er ...
Alexander weiß nicht, wie er das nennen soll. Ihm fehlen dafür die Worte. Er muss nur immer an sie denken. Und wenn er an sie denkt, wird es ihm warm im Bauch und im Kopf und überall ...

Lied zu "Ziemlich durcheinander": Endlich

 

Voll verplant

 Maximilian hatte nie Zeit. Immer stand etwas auf seinem Terminkalender, immer musste er irgendwo hin. Das nervte Nico ziemlich. Er wäre gern Maximilians Freund gewesen. Aber Maximilian hatte keine Zeit für einen Freund. In der Schule saßen sie zwar nebeneinander, aber nach der Schule sahen sich so gut wie nie. Trotzdem unternahm Nico hin und wieder einen Versuch.
"Wir gehen heute Nachmittag ins Freibad", sagte Nico in der Pause. "Kommst du mit?" Er fragte Maximilian, obwohl er die Antwort schon ahnte.
Maximilian antwortete nicht sofort, sondern überlegte. "Ich glaube, heute Nachmittag ... Ich sag's dir, wenn wir wieder drin sind."
"Wieso kannst du es mir nicht gleich sagen?"
"Weil ich erst nachschauen muss."
Nico wusste, wo Maximilian nachschauen musste und fragte nicht mehr weiter.
Der Gong beendete die Pause, sie gingen zurück ins Klassenzimmer. Dort holte Maximilian seinen Terminkalender aus der Schultasche und schaute nach. "Heute Nachmittag hab ich erst Klavierunterricht und dann geh ich ins Tennistraining."
"Und morgen?"
Wieder schaut Maximilian in seinen Terminkalender. "Morgen fahren wir gleich nach der Schule ins Judozentrum."
"Schade."
"Wieso schade?", fragte Maximilian. "Ich freu mich aufs Judo. Komm doch mal mit, Judo ist toll!"
Nico schüttelte den Kopf. "Ich geh lieber mit den andern ins Freibad."
Damit war alles gesagt.
Nach der Schule holte Maximilians Mama ihn mit dem Auto ab, während Nico sich mit anderen Kindern zu Fuß auf den Heimweg machte ...

Lied zu "Voll verplant": Übertreiben